Willkommen im #clubhouse

Es gibt was Neues: das nennt sich Clubhouse, ist eine reine Mobil-App und im Prinzip ein Audio-Chat. Hier können sich mitteilungsbedürftige Zeitgenossen treffen, um ihre überflüssigen frohen Botschaften an andere zu verbreiten. Diese können auch „auf die Bühne geholt werden“ und dürfen dann ebenfalls mitreden.

Der Anbieter befolgt hier das erste Hype-Gesetz: Mach es exklusiv! Du kommst hier nur mit Einladung rein! …und es funktioniert wieder einmal (wobei der Hype in Amerika wohl schon wieder nachlässt). In Deutschland auf jeden Fall strömen die Menschen in Scharen ins Klubhaus und auch der ein- oder andere Politiker.

Also, braucht Mensch das? Keine Ahnung, ich habe keine Einladung (und will auch keine!). Die App soll ganz brauchbar gemacht sein. Es gibt die deutsch-üblichen Datenschutz-Bedenken, die sich aber tatsächlich nicht besonders gut anhören. Und es wird auch kräftig herumgehackt, da scheint noch Einiges im Argen zu liegen.

Aber: das dürfte ein ziemlicher Zeitfresser sein. Mensch muss hier zuhören, das geht nicht so nebenbei. Da die Audio-Chats nicht aufgezeichnet werden, läuft alles synchron – die Anwesenheit zu einem bestimmten Zeitpunkt ist also Pflicht. Ob und inwiefern wirklich Gehaltvolles per reinem Audio-Chat kommuniziert und nachhaltig wirken kann, bleibt für mich ebenfalls offen. Aber vielleicht geht es ja nur darum, eine weitere Plattform zur Ventilation von heisser Luft zu haben (auch wenn die Unternehmenswertung in allerbester „Neuer Markt 2.0-Manier“ schon in die Milliarden geht).

Ist im übrigen alles schon mal da gewesen: ca. 1999 gab es mehrere Experimente mit telefonischen Voice Chat-Systemen (z.B. „Die Villa“ und „Das Irrenhaus“).

Gekommen, um zu bleiben? Nein, in 6-12 Monaten ist der Spuk vorbei. Und/oder von Facebook gekauft und künstlich weiter gehyped.

Ich halte es so: Ich mag in keinem Klubhaus Mitglied sein, das mir einen Invite Code schickt…

Von Nils Ehnert

Ich bin zwar aufgrund meines Geburtsjahres kein typischer Digital Native, kenne aber das Internet seit Beginn der Kommerzialisierung und bin um so mehr in die digitale Welt hineingewachsen. Durch meine Tätigkeit als selbständiger Software-Entwickler habe ich seit jeher die Entwicklung mit großem Interesse verfolgt, teilweise mitgestaltet und habe alle bisherigen Höhen und Tiefen hautnah miterlebt. Mittlerweile haben sich meine Interessen deutlich über die Technik ausgeweitet und ich verfolge Themen aus Soziologie, Psychologie, Politik, Unternehmertun und neuen Arbeitsformen.

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