Digitalisierung: Fahrtenbuch

Wir haben ein Fahrzeug, dass teilweise auch dienstlich genutzt wird. Es ist also angeraten, die privaten Fahrten mittels eines Fahrtenbuchs zu dokumentieren. Das macht keinen Spass und ist fehleranfällig – also ein willkommener Anlass, um über einen digitalen Helfer nachzudenken.

Hier versprechen nun etliche Anbieter, das Leben zu vereinfachen. Das läuft über eine Kombination aus einer kleinen Hardware-Box und einer App zur Zuordnung und Auswertung der Fahrten. Die Box wird direkt im Auto an den OBD2-Bus (der Diagnose-Stecker) gesteckt und übermittelt dann die Fahrten.

Nach einiger Recherche habe ich mich für einen bestimmten Anbieter entschieden, der in Tests ganz gut weggekommen ist und eine gut gestaltete und einfach zu bedienende App hat. Das Ganze soll ja das Leben vereinfachen, und nicht zusätzlichen Aufwand erzeugen…

Die Installation an sich war simpel – Box auspacken, im Web registrieren, am Armaturenbrett einstecken und etwas warten.
Leider wurde das Fahrzeug (Citroen Jumper – kein allzu seltenes Fabrikat, wie ich meine, sind doch etliche Handwerker- / Lieferfahrzeuge / Kastenwägen auf dieser Basis gebaut) nicht erkannt – es wurden keine Fahrten übermittelt. Der durchaus freundliche Support hat „dann was versucht“ – was wiederum nicht funktioniert hat. Im 3. Anlauf wurde irgendein Konfigurationsprofil geändert – damit lief es dann. Die Fahrten wurden übermittelt. So weit, so zufrieden, wenngleich das kaum „plug & play“ ist und drei Support-Tickets benötigt wurden.

Über Weihnachten stand das Fahrzeug 20 Tage unbewegt auf dem Parkplatz. Bei der nächsten Fahrt – tat sich nichts mehr. Keine Reaktion. Die Batterie war radikal entleert. Aufladen mit zweitem Fahrzeug, 100km durch die Gegend fahren und freuen, dass die Batterie glücklicherweise nicht komplett zerstört war. Ein leiser Verdacht – liegt’s an der Box?

Nach dieser „Aufladefahrt“ dann noch eine weitere Beobachtung: der Kilometerstand der letzten Fahrt stimmte nicht mit der Tachoanzeige überein – es gab eine kleine Differenz von 8 km. Wie kann das sein? Meines Erachtens sollte der korrekte km-Stand doch über den OBD2-Bus ausgelesen werden? Andernfalls müsste es eine Korrekturmöglichkeit geben – aber wäre das dann finanzamtskonform?

Ok, Support ein weiteres Mal bemüht. Lapidar wurde mitgeteilt, dass auf der Homepage kommuniziert würde, dass eine Standzeit über 7 Tagen gefährlich ist (= Box abziehen, wenig praktikabel) und die km-Differenz kaum von einer leeren Batterie kommen könnte. Ob ich in der App den Kilometerstand geändert hätte? (Nein, dafür gibt es keine Funktion, warum hätte ich das tun sollen, und wäre das überhaupt zulässig…?). Nach einer weiteren Mail wurde dann immerhin in einer Rücknahme und Rückerstattung der Box eingeräumt.

Fazit 1: diese Lösung ist zwar digital, aber keine Digitalisierung. Da es nicht richtig funktioniert, mehr Aufwand produziert und das Leben kaum vereinfacht, ist es keine Hilfe. Selbst wenn ich bei längeren Standzeiten die Box immer abstecken würde – wer garantiert denn, dass es nicht wieder zu km-Differenzen kommt? Warum muss ich überhaupt den km-Stand überprüfen? Da ist dann der Eintrag ins analoge Fahrtenbuch genauso schnell gemacht – natürlich muss man sich disziplinieren und daran erinnern – aber das kann im Grunde nicht schiefgehen und ist somit „fail safe“. Also hier lieber die analoge Lösung wählen.

Fazit 2: die Kommunikation des Herstellers war zwar freundlich, aber dennoch wenig kunden- und lösungsorientiert. Eine Antwort „Batterie leer? Kein Wunder, steht doch da“ (Nein! Zum Kaufzeitpunkt wurde mir nicht mitgeteilt, dass die Batterie bereits nach 7 Tagen leer ist – ich hätte dann auch erst gar nicht gekauft). Die Unterstellung, ich hätte den km-Stand (es geht um 8km Differenz!) willentlich in der App geändert, ist schon ziemlich frech. Und dann könnte man das – offenbar bekannte – Problem des Batterieverbrauchs vielleicht auch zur Produktverbesserung nutzen („deep standby“ oder sowas…) und dem Kunden mitteilen, dass da was in Planung ist…

Aber so ist es dann zum einen keine gelungene Digitalisierung und zum anderen nicht kundenfreundlich. Kann also weg, und zwar komplett.

Von Nils Ehnert

Ich bin zwar aufgrund meines Geburtsjahres kein typischer Digital Native, kenne aber das Internet seit Beginn der Kommerzialisierung und bin um so mehr in die digitale Welt hineingewachsen. Durch meine Tätigkeit als selbständiger Software-Entwickler habe ich seit jeher die Entwicklung mit großem Interesse verfolgt, teilweise mitgestaltet und habe alle bisherigen Höhen und Tiefen hautnah miterlebt. Mittlerweile haben sich meine Interessen deutlich über die Technik ausgeweitet und ich verfolge Themen aus Soziologie, Psychologie, Politik, Unternehmertun und neuen Arbeitsformen.

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